Völlig im Hier und Jetzt – Spazieren gehen!
Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Wandern und dem Spazierengehen. Wandern hat in der Regel ein Ziel. Die Strecke wird geplant, die Ausrüstung vorbereitet und der Weg steht oft schon fest, bevor der erste Schritt gemacht wird.
Beim Spazierengehen ist das anders. Es braucht keine große Vorbereitung, kein bestimmtes Ziel und keinen Zeitplan. Man geht einfach los. Schritt für Schritt. Der Weg entsteht dabei oft erst im Gehen.
Gerade darin liegt sein besonderer Wert. Beim Spazierengehen geht es nicht darum, irgendwo anzukommen. Es geht darum, im Moment anzukommen.
Wer langsam und aufmerksam unterwegs ist, beginnt die Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen. Man spürt die Luft auf der Haut und vielleicht einen leichten Wind im Gesicht. Im Wald riecht man feuchte Erde, Holz, Moos oder den Duft frisch gefallener Blätter. Man hört das Rascheln der Baumkronen, Vogelstimmen in der Nähe, vielleicht das Hämmern eines Spechts oder das ferne Summen des Lebens um einen herum.
Auch die Augen entdecken plötzlich Dinge, die im Alltag oft verborgen bleiben. Das Sonnenlicht zwischen den Ästen, eine ungewöhnliche Baumwurzel, eine Ameisenstraße am Wegesrand oder die feinen Strukturen eines Blattes. Kleine Dinge, die immer da waren, denen wir aber selten Aufmerksamkeit schenken.
Das Spazierengehen ist deshalb weit mehr als bloße Fortbewegung. Es ist eine Einladung zur Gegenwärtigkeit. Für eine Weile müssen keine Aufgaben erledigt, keine Ziele erreicht und keine Probleme gelöst werden. Stattdessen richtet sich die Aufmerksamkeit auf das, was gerade ist.
Vielleicht liegt genau darin seine wohltuende Wirkung: Für einen Moment verlassen wir das ständige Denken an das Morgen und das Grübeln über das Gestern. Wir aktivieren unsere Sinne, nehmen unsere Umgebung bewusst wahr und kehren zurück zu dem einzigen Ort, an dem das Leben tatsächlich stattfindet:
dem Hier und Jetzt.